Gleichstellung an der Hochschule Harz

Vor dem Gesetz sind wir alle gleich. Doch wie sieht das in der Realtität aus? Sind Frauen und Männer sowohl in der Arbeitswelt als auch im Bildungswesen gleichgestellt?
Unter anderem diesen Fragen stellt sich Lina Finger, studentische Hilfskraft im Gleichstellungsbüro der Hochschule Harz, in ihrem Artikel.


Seit diesem Semester arbeite ich als Hiwi für Sarah Piper, der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Harz, sowie wie für Kathrin Boos, der Referentin für Gleichstellung der Hochschule Harz.

„Warum das Gleichstellungsbüro? Ich meine, das ist ja doch ziemlich extrem oder nicht?“ Das habe ich im Laufe der Zeit nicht nur einmal gehört. Aber gibt es nicht grundlegenderes, als sich für eine Kommunikation auf Augenhöhe und Gleichberechtigung einzusetzen?
Gleich eine meiner ersten Aufgaben war es Peer-to-Peer mit den Studierenden über dieses Thema zu sprechen: Fühlst du dich gleichberechtigt? Wurdest du schon einmal diskriminiert? Belästigt? Und das nur aus dem Grund, weil Du Du bist? Weil du in einem Körper geboren wurdest, der anscheinend nicht den Erwartungen oder Anforderungen anderer entspricht?

Ich glaube, jede und jeder hat in ihrem und seinem Leben schon einmal Benachteiligung aus dem ein oder anderen Grund erfahren müssen. What doesn’t kill you makes you stronger… also warum überhaupt darüber reden? Weil durch Nicht-Reden der Eindruck vermittelt wird, dass es okay wäre. Es wäre okay, Mädchen nachts auf der Straße anzumachen, sie auf einer Party zu bespucken oder ihnen beim Vorbeigehen hinterher zu pfeifen. Es wäre okay, den langen schlaksigen Jungen als schwul zu betiteln, weil er eben keine männlich-muskulöse Statur hat? Nein! Das ist nicht okay!

Laut dem Grundgesetz sollte dies kein Thema mehr sein. Der Artikel 3 besagt zumindest, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind und dass der Staat dessen Umsetzung fördern soll.
Gleichberechtigung vollzieht sich auf mehreren Ebenen: zwischen Männern und Frauen, Personen verschiedener Herkunft, Hautfarben… Die Liste ist lang. Das Wort “anders” sollte es gar nicht mehr geben. Es würde bedeuten, dass es eine Art „Normalmensch“ gäbe. Und das wäre bereits ungerecht.
Trotzdem verdienen Frauen immer noch 21% weniger als Männner. Trotzdem sagen 47% der Frauen in Deutschland im Jahr 2019 aus, ab und zu bis öfter aufgrund ihres Geschlechtes benachteiligt zu werden. Im Vergleich dazu sind es nur 13% der Männer. Selektive Wahrnehmung? Ich glaube kaum.

Lina Finger bei ihrem Vortrag über Gleichstellung an der Hochschule Harz | Foto: Robin Ritter

In meinen Vorträgen habe ich mit den Initiativen der Hochschule genau darüber diskutiert. Und obwohl Klein-Werni ein Vorzeigeparadies einer zusammenhaltenden und wohl-vernetzten Studierendengemeinde ist, finden wir, dass auch hier mehr gemacht werden kann. Besonders die ungleiche Verteilung zwischen Studenten und Studentinnen in den Informatik-Fächern spiegelt dies gut wieder. Doch diese Ungleichheit wird nicht von uns geprägt. Eigentlich beginnt die Aufklärungsarbeit schon im Kindergarten und sollte in den Schulen weitergehen. Damit wir Jugendlichen und Jung-Erwachsenen uns nicht von unterbewussten Stereotypen in unseren Interessensgebieten beeinflussen lassen.

„Das Gleichstellungbüro tut sehr viel für die Frauen und Studentinnen. Wo bleibt die Unterstützung der männlichen Seite?“
Mit diesem Argument wurde ich am häufigsten konfrontiert. Leider ist es aktuell der Fall, dass deutlich mehr Frauen als Männer unter der Ungleichbehandlung und Stereotypisierung leiden. Die Arbeit des Gleichstellungsbüros zielt nicht darauf ab, Männer zu unterdrücken und Frauen bis zum Unermesslichen zu fördern. Wir setzen uns für Gleichberechtigung ein! Eine Kommunikation auf Augenhöhe. Dafür müssen Frauen vorerst gefördert werden, denn sie sind aktuell der Part der Gesellschaft, der verstärkt unter struktureller Diskriminierung leidet. Trotzdem sehe ich den Punkt, dass Studenten und Männer sich von diesem Thema ausgeschlossen fühlen. Das sollte nicht sein! Es geht um gegenseitiges Verständnis, Zuhören und um das Eingehen auf die Bedürfnisse des Gegenübers. Auch Männer geht das Thema Gleichberechtigung etwas an. Wir, das Gleichstellungsbüro, werden uns deshalb weiterhin dafür einsetzen, dieses Thema für alle zugänglich zu machen!

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